1865: Eine Witwe verkauft ihren Hof an ihren Sohn

1865 kaufte Daniel Her­mann Boje den Hof sein­er Mut­ter, der Witwe Catha­ri­na Mag­dale­na Boie, geborene Peters. Beim Ver­tragsab­schluss anwe­send waren zudem noch der „cura­tor con­sti­tu­tus“ der Mut­ter, näm­lich deren Vater Daniel Peters aus West­er­büt­tel, und der Vogt des Kirch­spiels Bruns­büt­tel, Johann Peter Hed­de.

Nach dama­liger Geset­zge­bung bedurften Witwen und ledi­ge Frauen bei allen Rechts­geschäften des Bei­s­tandes eines „cura­tor con­sti­tu­tus“. Deshalb erschien Catha­ri­na Mag­da­lene Boie mit ihrem Cura­tor, also „cum cura­tore con­sti­tu­to“ oder kurz „c.c.c.“.

Flächenmaße

1 Mor­gen = 1.3475 ha, 1 Schef­fel = 0.0898 ha, 1 Quadra­trute = 22.4581 Quadrat­meter
SHC = Schleswig-Hol­stein­sch­er Courant
V.u.g. = vorge­le­sen und genehmigt (denke ich)
Ut supra =  wie oben (bezieht sich auf Ort und Datum)
In fidem = Beglaubi­gungs­formel, der Notar ste­ht für die Richtigkeit des Geschriebe­nen ein

Catha­ri­na Mag­dale­na Boie, ihr Vater Daniel Peters und ihr Sohn Daniel Her­mann Boje sind direk­te Vor­fahren von mir, wie auch die im Ver­trag erwäh­nte Ehe­frau von Daniel Peters. Sie ist die Enke­lin vom Oster­moor­er Müller Peter Mein­ert, und Johann Hin­rich Boje ist der ältere und einzige Brud­er des Käufers Daniel Her­mann Boje. Quelle: LA Schleswig  Abt. 102.12, Nr. 29

An den linken Rand des Ver­trags geschrieben:
Kauf­con­tract zwis­chen Peter Boie Wwe. im
Brunsb. Kooge und ihrem Sohn Daniel Her­rmann
Boie all­da, um ein Hoflandt.
d. 15. Juni 1865

Vertragstext

Kund und zu wis­sen sei hier­mit: Es verkauft und über-
läßt die Witwe des Peter Boie, im Bruns­büt­telkooge, Ca-
tha­ri­na Mag­a­dale­na geb. Peters, cum cur. con­st., dem Ein-
gesse­nen Daniel Peters in West­er­büt­tel, für sich und
ihre Erben, an ihren Sohn Daniel Her­rmann Boie, im
Bruns­büt­telkooge, ihr im Bruns­büt­telkoog bele­genes
Wohn­haus, Sche­une, Spe­ich­er und nach­fol­gende Län­dereien,
aufge­führet im Koogserd­buch Pag 211.22.213 und 215 fol­gen­der-
maßen:

Tabelle

Die Gebäude wie diesel­ben mit Schlethen und Bret­tern
auf Hilden und Böden erd-, niet- und nagelfest zur Stelle
vorhan­den, und die Län­dereien, wie fol­gt begränzet, be-
grüp­pet und beack­ert sind, sammt der auf dem Hofe be-
find­lichen Moven­tien und Mobilien, But­ter, Bau- und
Haus­geräth, Speck und Fleisch, gedrosch­enes Korn, Heu, Stroh,
und Dünger, Bet­ten und Leinen­zeug und u.s.w., mit al-
leiniger Aus­nahme desjeni­gen, was die Verkäuferin
nach ihrer Wahl zur Fort­führung ihrer Haushal­tung her-
aus­nimmt, wie es auch Namen haben mag, ist in
obigem Kauf aus­geschlossen, für die wohlverabre­dete
und stip­ulirte Kauf­summe von 40000 sprich Vierzig
Tausend Mark  Schleswig-Hol­steinis­ch­er Courant, unter fol-
gen­den näheren Bedin­gun­gen:
 
                                        §1
Der Käufer tritt das hier­auf Erhan­delte am 1. Mai
d.J. mit Nutzen und Beschw­erde erb- und eigen­thüm­lich
an mit Ueber­nahme der auf dem Lande haf­ten­den
Abgaben und Las­ten  vom 1. Jan­u­ar d.J. und der auf den
Gebäude ruhen­den vom Antritt an. Die Gefahr für
Wind und Brand übern­immt Käufer von jet­zt an,
erhält im Falle des Bran­des die Ver­sicherungssumme
von der Brand­kasse und leis­tet dafür Genüge.
 
                                        §2
In Bezahlung des Kaufgeldes von 40000 M über-
nimmt der Käufer eine pro­to­col­lierte Schuld der Ver-
käuferin an die Ehe­frau des Daniel Peters, in West­er-
büt­tel, von 7000 M Cour., laut Kauf­con­tract vom 2. Oct­br.
1834, sowie eine pro­to­col­lierte Schuld der­sel­ben an ihren
Sohn Johann Hin­rich Boie von 4000 M Courant, laut Kauf-
con­tract vom 16. Febr 1844, als seine eigene. Der
Rest des Kaufgeldes von 29000 M Cour. schreibe Neun und
Zwanzig Mark Courant, bleibt in der Pri­or­ität nach
obi­gen 11000 M auf den Folien für obige Grund­stücke
ste­hen, unter Genehmi­gung des Pro­to­col­la­tors.
 
                                        §3
Die durch diesen Kauf­con­tract verur­sacht­en Kosten
hält die Verkäuferin sämmtlich ein­seit­ig ab.
Die Con­tra­hen­ten cum iur. con­st. entsagen allen
wider diesen Kauf­con­tract zu erdenk­enden Aus­flücht­en
und Einre­den, wie sie auch Namen haben mögen, und
haben densel­ben nach vorherge­gan­gener Vor­lesung und
Genehmi­gung eigen­händig unter­schrieben.
 
So geschehen Bruns­büt­tel, d. 5. April 1865
 
Catha­ri­na Mag­dale­na Boie (Unter­schrift)
 
Vor Unter­schrift des Con­tracts vere­in­barten
die Con­tra­hen­ten resp. c.c.c dahin, dass dem Käufer
ges­tat­tet sein solle, annoch 8000 M, schreibe Acht Tausend Mark
S.H.C. aufzunehmen und dafür den gekauften Hoflandt
vor der Forderung der Verkäuferin zu verpfän­den, der-
gestalt, daß die rück­ständi­gen Kaufgelder von 29000 M auf
11000 und 8000 M, also auf 19000 M auf das Pfand pro­to­col­lirt
wurde.             V.u.g.
 
Ut supra.
 
In fidem                    Catha­ri­na Mag­a­dale­na Boie
                                      Daniel Peters
Hed­de                         Daniel Her­mann Boje.

Let­zte Änderung 29.9.2010